*/

Teil 1 – Die Begegnung mit dem Schmetterling

Es war einmal ein Marienkäfer, sein Name war Moritz.
Moritz ging an einem sonnigen Tage spazieren. Er sagte zur großen Sonnenblume „Hallo”, den kleinen Grashalmen nickte er zu, sie lächelten ihm zurück. Wie immer nahm er den gleichen Weg durch den Wald.
„Ist das nicht ein schöner Tag”, dachte er sich.

„Guten Tag, liebe Sonne! Wie geht es dir?”, rief Moritz.
„Hallo, Moritz. Danke, es geht mir blendend. Was machst du heute?”
„Ich gehe spazieren, so wie immer, wenn du da bist. Ich laufe bis zur großen Eiche, sage meinen Freunden „Hallo“ und laufe wieder zurück.

„Ach ja, stimmt”, sagte die Sonne, „du gehst immer den gleichen Weg entlang.”
„Ja”, sagte Moritz mit Stolz geschwellter Brust, „genau diesen Weg sind schon meine Urgroßeltern, meine Großeltern und meine Mama und mein Papa gegangen. Dieser Pfad ist total sicher, weil die großen Vögel mich hinter den Grashalmen nicht sehen können.”

„Ich verstehe”, sagte die Sonne lächelnd und verschwand auf einmal hinter einer Wolke.
„Oh, wo bist du denn so schnell hin verschwunden?”, fragte Moritz.
„Bitte komm bald wieder, ich bin doch kurzsichtig.” Schnell rückte Moritz seine Brille zurecht, den verrutschten Hosenträger zog er wieder hoch, atmete tief ein und ging weiter.

„Ich habe keine Angst”, sagte er sich, „denn ich bin schon groß.” Er stapfte drauf los und hoffte, dass die Sonne bald wieder zum Vorschein kam. Er hatte die Eiche fast erreicht, als er plötzlich ein Leuchten sah. Etwas Lilafarbenes schwebte oben in der Luft.

Moritz ging immer langsamer heran, blieb stehen und versteckte sich hinter einem Grasbüschel. Er war wie gebannt. Das lilafarbene Etwas flatterte in der Luft und war das Schönste, was Moritz jemals in seinem Leben gesehen hatte. Es war ein Schmetterling. Mit offenem Mund starrte er ihn an.
„Hallo, du da!”, hörte Moritz plötzlich.
Er schaute sich um, war er etwa angesprochen? Da er niemanden hinter sich sah, musste er wohl gemeint sein. „Ähm”, stammelte er und schaute auf den Boden.

„Warum versteckst du dich?”, fragte der Schmetterling kichernd.
„Ich?” Moritz räusperte sich laut und kratzte sich am Kopf. „Ich? Mich verstecken? Das tue ich doch gar nicht. Ich, ich hab nur etwas verloren.” Er bückte sich, zog heimlich einen Knopf aus der Hosentasche und hielt ihn dann hoch. „Da, genau da ist er. Den suche ich ja schon seit Ewigkeiten.” Er grinste verlegen und hoffte, dass sein Kopf nicht allzu rot war. Er schaute wieder auf den Boden, nahm seine Brille von der Nase und fing an, sie zu putzen.
„Hihihihi”, erklang das glockenhelle Lachen des Schmetterlings. „Warum lachst du mich aus?”, fragte Moritz empört und stampfte mit dem Fuß auf.

„Ich lache dich nicht aus. Ich freue mich nur. Du bist lustig.
Ich heiße Violetta und wie heißt du?”
„Mein Name ist Moritz”, antwortete er.
„Es freut mich, dich kennen zu lernen”, sagte Violetta. Sie flatterte etwas näher zu ihm und fragte: „Was hast du heute denn noch vor?”

„Ich? Also ich gehe gleich wieder nach Hause.”
„Jetzt schon? Schau, die Sonne ist wieder da. Ich treffe mich noch mit ein paar Freunden. Komm doch mit.”
„Also, ich weiß nicht. Meine Eltern werden sich Sorgen machen, wenn ich zu lange wegbleibe”, meinte Moritz.
„Ach was, ich glaube, du hast einfach nur Angst.” Violetta schaute ihm fest in die Augen.
„Was ich? Ich hab doch keine Angst. Ich bin schon drei Jahre alt.”
„Toll, ich bin beeindruckt. Dann komm mit.”
„Alles klar”, mimte Moritz selbstbewusst. In Wirklichkeit hatte er doch Angst, da er noch nie weiter weg gegangen war als bis zur großen Eiche.
Die Eiche nickte den beiden im Vorbeigehen zu. Alle Pflanzen schauten fasziniert Violetta hinterher und lächelten ihr zu.

Sie war wirklich außergewöhnlich schön. Dabei schien ihr gar nicht aufzufallen, wie alle ihr hinterher schauten. Sie durchquerten einen großen Pilzwald. Hier war Moritz noch nie gewesen, noch nie hatte er so viele verschiedene Pilze auf einmal gesehen. Er staunte und machte ganz große Augen.
„Hey, du da. Du siehst ja aus wie ein Marienkäfer, nur als Pilz”, rief Moritz einem großen rotfarbenem Pilz mit weißen Punkten zu.

„Haha, ja, das kann stimmen”, lachte der Pilz. „Mich nennt man Fliegenpilz. Und du? Was bist du eigentlich?”
„Ich bin ein Marienkäfer!”, sagte Moritz stolz. „Das sieht man doch!”
„Wie bitte? Du bist aber blau. Ich hab noch nie in meinem Leben einen blauen Marienkäfer gesehen. Und was hast da für eine komische Hose an und was trägst du für ein komisches Ding auf der Nase?”
„Das sind Hosenträger. Die hat meine Oma für mich gestrickt. Und das Ding auf meiner Nase ist eine Brille. Damit kann ich besser sehen.”

„Du bist ja der komischste Marienkäfer, den ich jemals gesehen hab!” Der Fliegenpilz lachte laut.
Moritz fühlte sich gekränkt und verstand nicht, was an ihm komisch sein sollte. Er wollte etwas entgegnen, aber es fiel ihm nichts ein. Violetta war indes schon weiter voraus geflogen, er konnte sie kaum noch sehen.
„Hey Violetta! Warte auf mich!”, rief Moritz und eilte ihr hinterher.
Er war völlig aus der Puste, als er bei ihr ankam.

Sie lächelte amüsiert und sagte: „Na, gefällt dir die kleine Wanderung?”
„Öh ja, ist ganz interessant”, erwiderte Moritz.
„Das freut mich, wir sind auch gleich da. Siehst du da hinten die leuchtenden Tulpen? Da warten meine Freunde auf mich.”

„Oh, die sehen aber schön aus”, sagte Moritz bewundernd.
Violetta kicherte wieder. „Lachst du mich schon wieder aus? Ich mag das nicht, wenn ich ausgelacht werde!”, rief Moritz gekränkt.
„Nein, ich lache dich nicht aus. Du gefällst mir. Ich mag es, wie du dich freust und über schöne Dinge staunen kannst.”

Moritz war beruhigt und freute sich innerlich sehr darüber, dass Violetta gesagt hatte, dass sie ihn mochte. Auf einmal schoben sich wieder Wolken über die Sonne und es wurde schlagartig dunkel und grau. Von weitem hörten sie ein Donnergrollen und es fing an wie aus Kübeln zu regnen.

Oh nein, es regnet und es wird schon dunkel und ich bin immer noch nicht zu Hause, dachte Moritz etwas panisch.
Auch Violetta war kurz erstarrt vor Schreck und rief Moritz zu: „Komm schnell, da drüben brennt Licht. Es sieht aus wie eine Schänke. Lass uns dort einkehren.”

Facebook Twitter Email

Kommentare deaktiviert